In der Halle an der langen Water wird wieder angepackt. Wo während der Session noch ausgelassen gefeiert wurde, fliegen nun wieder Späne, klirren Werkzeuge und werden neue Ideen geschmiedet. Dienstags und donnerstags trifft sich dort der Wagenbau der KGE, um die nächsten Projekte für den Verein voranzutreiben. Nach einer kurzen Pause bis Ostern, in der die Wagenbauer bewusst etwas Ruhe einkehren ließen, ist nun wieder Leben im KGE Werk 11.0 eingekehrt.
„Die närrischen Tage mussten erstmal verdaut werden“, heißt es aus den Reihen der Wagenbauer schmunzelnd. Doch die kleine Verschnaufpause war nötig, denn die kommenden Monate versprechen viel Arbeit. Schon beim Betreten der Halle wird schnell klar: Hier gibt es an jeder Ecke etwas zu tun.
Nicht nur in der Halle selbst wird gearbeitet. Auch im Außenbereich standen in den vergangenen Wochen einige Aufgaben an. Unter anderem mussten neue Anschlüsse für Wasser und Strom installiert werden, damit die Arbeitsbedingungen rund um das Werk weiter verbessert werden können. Viele Arbeiten passieren dabei eher im Hintergrund und bleiben später für Besucher unsichtbar. Für die Wagenbauer sind sie jedoch ein wichtiger Bestandteil, um überhaupt vernünftig arbeiten zu können.
Das größte Projekt des Jahres steht allerdings mitten in der Halle: der Stadtelferratswagen. Seit inzwischen 19 Sessionen begleitet der Wagen die Stadtelferräte durch den Rosenmontagszug und ist über die Jahre für viele zu einem echten Stück Vereinsgeschichte geworden. Zahlreiche gemeinsame Fahrten, unvergessliche Momente und viele Geschichten verbinden die Mitglieder mit dem Wagen.
Doch nach fast zwei Jahrzehnten war klar: Der Wagen braucht eine umfassende Erneuerung.
Unter der Leitung von Wagenbauchef Thomas Ellertmann begann das Team deshalb vor einigen Wochen mit der kompletten Demontage des Fahrzeugs. Eine Aufgabe, die sich teilweise schwieriger gestaltet als zunächst gedacht. Viele Bauteile sind seit Jahren fest miteinander verbunden. Schrauben, die fast zwei Jahrzehnte Wind, Wetter und zahllose Rosenmontagszüge überstanden haben, lassen sich teilweise nicht ohne Weiteres lösen.
Dann ist echte Handarbeit gefragt. Mit Hammer, Werkzeug und viel Muskelkraft rücken die Wagenbauer den alten Verbindungen zu Leibe. Immer wieder müssen mehrere Helfer gemeinsam anpacken, um einzelne Elemente zu lösen. Schnell wird dabei deutlich, wie robust und sorgfältig der Wagen einst gebaut wurde.
„Die früheren Wagenbauer haben damals wirklich ganze Arbeit geleistet“, erzählt Thomas Ellertmann. Besonders beeindruckt zeigt er sich von vielen handwerklichen Details, die beim Zerlegen sichtbar werden. Selbst einfache Spanplatten seien damals mit Nut-und-Feder-Verbindungen verarbeitet worden, sodass alles stabil ineinandergreift und selbst schlechtem Wetter standhalten konnte.
Bevor allerdings die ersten Bretter entfernt wurden, stand zunächst die Planung an. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte Ellertmann Ideen für die Zukunft des Wagens. Es wurde diskutiert, skizziert und überlegt, welche Veränderungen sinnvoll und gleichzeitig praktikabel sind. Schlussendlich sind alle auf ein zufriedenstellendes Ergebniss gekommen.
Dabei spielte vor allem ein Wunsch aus den Reihen der Stadtelferräte eine wichtige Rolle. Der bisherige Wagen verfügte über eine erhöhte Plattform, die über drei Stufen erreichbar war. Viele Mitglieder empfanden die unterschiedlichen Ebenen allerdings als unpraktisch. Die Gruppe wirkte dadurch oft voneinander getrennt.
Genau das soll sich nun ändern.
Die bisher erhöhte Plattform wird künftig ebenerdig gestaltet. Damit soll auf dem Wagen mehr Gemeinschaft entstehen und der Stadtelferrat enger zusammenrücken. Was auf den ersten Blick nach einer kleinen Änderung klingt, bedeutet für die Wagenbauer allerdings jede Menge Arbeit. Denn die Konstruktion war über Jahre fest verbaut und musste zunächst vollständig zurückgebaut werden.
Mit Geduld und Teamarbeit gelang es den Helfern jedoch, viele Teile sorgfältig zu entfernen, ohne sie zu beschädigen. Denn beim Wagenbau spielt auch Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Alles, was noch brauchbar ist, soll wiederverwendet werden.
Vor allem die Hölzer und Bretter aus dem Unterbau befinden sich trotz ihres Alters noch in einem erstaunlich guten Zustand. Da sie kaum Feuchtigkeit oder Witterung ausgesetzt waren, können viele Materialien problemlos weiter genutzt werden. Anders sieht es bei der Außenfassade des Wagens aus. Dort haben Regen, Wind und zahlreiche Umzüge im Laufe der Jahre deutliche Spuren hinterlassen. Viele äußere Elemente müssen deshalb erneuert werden.
Einige Dekorationsteile werden allerdings auch künftig ihren Platz auf dem neuen Wagen behalten. Schließlich soll trotz aller Veränderungen ein Stück Geschichte erhalten bleiben.
Der Wagen selbst bietet dabei genügend Raum für neue Ideen. Mit rund zehn Metern Länge und drei Metern Breite stehen den Wagenbauern insgesamt etwa 30 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Genug Platz also, um kreativ zu werden und gleichzeitig praktische Lösungen umzusetzen.
Doch neben allen technischen und handwerklichen Herausforderungen geht es im Wagenbau längst um mehr als nur Holz, Schrauben und Farbe. Die Arbeit in der Halle ist vor allem Teamarbeit. Hier wird gemeinsam angepackt, diskutiert, gelacht und manchmal auch improvisiert. Viele Helfer investieren einen großen Teil ihrer Freizeit, damit der Wagen pünktlich zur nächsten Session wieder auf die Straße rollen kann.
Bis dahin wird allerdings noch einiges an Arbeit nötig sein. Der neue Stadtelferratswagen entsteht Schritt für Schritt. Und auch wenn der fertige Wagen heute erst langsam zu erkennen ist, spürt man in der Halle bereits jetzt die Vorfreude auf das Ergebnis.
Langweilig wird den Wagenbauern in den kommenden Monaten jedenfalls nicht werden. Denn ein solcher Umbau braucht Zeit, Geduld, Schweiß und vor allem jede Menge närrischen Frohsinn.
















